Abfallmythen – Aufgedeckt!

Elf Behauptungen auf dem Prüfstand: Vom Sinn der Abfalltrennung bis hin zum gestapelten Joghurtbecher oder der Frage, wie man den Pizzakarton denn nun wirklich entsorgt – Sie fragten und wir klären Ihre Fragen und decken weitere Irrtümer auf!

Eine nachdenkliche Frau.

Das Abfallsystem in Deutschland ist gut organisiert – und trotzdem halten sich hartnäckig falsche Behauptungen und skurrile Mythen. „Joghurtbecher muss man vor dem Wegwerfen auswaschen“, „Beim Altglas sind die Farben doch egal“ oder „Am Ende wird doch sowieso alles zusammengekippt und verbrannt“. Solche Sätze hört man immer wieder – auch bei uns im Landkreis Karlsruhe.
 
Im Alltag sorgt das schnell für Unsicherheit: Wohin gehört der Kassenzettel – in die Wertstofftonne oder doch in den Restabfall? Und was ist mit dem Pizzakarton, wenn er fettig ist? Genau solche Fragen entscheiden darüber, ob Wertstoffe wirklich recycelt werden können oder ob sie im falschen Behälter landen und dadurch tatsächlich verbrannt werden.
 
Deshalb setzen wir den Detektiv-Hut auf: Wir nehmen verbreitete Abfallmythen unter die Lupe und klären auf: Was stimmt und was sind einfach nur Fake News.
 

Mythos 1: „Am Ende wird doch sowieso alles zusammengekippt und/oder verbrannt“

Abfälle werden je nach Fraktion getrennt behandelt: Nur Restabfall und Restsperrmüll geht in die Müllverbrennungsanlage nach Mannheim, alles andere wird recycelt oder anderweitig verwertet. Das bedeutet: Je weniger im Restabfall oder im Restsperrmüll landet, desto besser.

In der Realität wird weniger als ein Drittel verbrannt.
Die anderen zwei Drittel werden stofflich verwertet, also recycelt. [1] Auch die thermische Verwertung bringt uns etwas: Energie oder Fernwärme. Insgesamt werden in Deutschland ganze 98 Prozent der Abfälle thermisch und stofflich verwertet, „nur“ zwei Prozent werden deponiert. [2]

Mythos 2: „Ich muss Verpackungen vor dem Recycling gründlich auswaschen“

Stimmt nicht. Es reicht, wenn Verpackungen restentleert („löffelrein“) sind. Das gilt für den Joghurtbecher für die Wertstofftonne ebenso wie für das Marmeladenglas, das in den Altglascontainer gehört. Kleine Reste werden in den Recyclinganlagen entfernt.

Mythos 3: „Der Pizzakarton ist Altpapier und gehört in die Wertstofftonne“

Kommt drauf an. Ein sauberer Pizzakarton kann in die Wertstofftonne. Ist er fettig oder mit Essensresten verschmutzt, gehört er in den Restabfall, weil er das Papierrecycling stört.
 

Mythos 4: „Auch Kassenzettel gehören zum Altpapier und damit in die Wertstofftonne“

Meist falsch. Viele Kassenzettel bestehen aus sogenanntem Thermopapier. Dieses Thermopapier ist mit chemischen Farbentwicklern beschichtet, die im Recyclingprozess das neue Papier und auch den Wasserkreislauf verunreinigen würden. Deshalb gehören diese in den Restabfall. 
Eine Ausnahme bilden Öko-Bons (z. B. erkennbar am Blauen Engel). Sie dürfen ins Altpapier. Man erkennt sie – abgesehen vom Siegel mit dem blauen Engel – an ihrer grauen oder blauen Farbe.

Mythos 5: „Nur Verpackungen mit Grünem Punkt gehören in die Wertstofftonne“

Stimmt nicht. Der Grüne Punkt ist heute kein verlässliches Sortier-Kriterium mehr – ob das Symbol aufgedruckt ist oder nicht, sagt nichts darüber aus, ob die Verpackung in die Wertstofftonne gehört.
 
Wir empfehlen: Schauen Sie nicht auf Zeichen, sondern auf das Material. Bei uns im Landkreis Karlsruhe gehören Verpackungen und andere Abfälle aus Plastik, Metall oder Papier/Karton in die Wertstofftonne.

Mythos 6: „Der Deckel kann dranbleiben und Joghurtbecher stapeln spart Platz – das ist doch gut“

Stimmt nicht. Gestalpeltes oder zusammengestecktes Material ist definitiv schlecht für das Recycling. In Sortieranlagen werden Materialien oftmals optisch durch sogenannte Infrarotscanner erkannt. Wenn ein Deckel aus Aluminium in einem Plastikbecher steckt, kann der Scanner nur das äußere Material erfassen. Deshalb den Aludeckel bitte komplett abziehen und den Becher einzeln einwerfen, auch wenn das in der Tonne mehr Platz verbraucht.
 
Zusatzfrage: Viele fragen sich zudem, ob es sinnvoll ist, Kunststoff-Verpackungen wie z.B. Wurst- und Käseverpackungen vor dem Wurf in die Wertstofftonne in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen.
 
Ja, es macht Sinn! Auch die Käseverpackung besteht aus unterschiedlichen Kunststoffen: Die Schale besteht meist aus einem festen Kunststoff (oft PET), während die Deckelfolie meist eine weichere Mischfolie ist. Also auch hier: Deckel vollständig abziehen!

Mythos 7: „Farben beim Altglas sind egal – im LKW landet alles wieder zusammen“

Stimmt nicht. Altglas wird bei uns im Landkreis Karlsruhe in Weiß, Braun und Grün getrennt gesammelt und transportiert – auch wenn es bei der Leerung manchmal anders aussieht.
Die großen Altglas-LKWs haben getrennte Kammern für Weiß-, Braun- und Grünglas.
 
Kleiner Tipp: Unklare Farben (z. B. blau) gehören ins Grünglas, weil Grün „Fehlfarben“ beim Einschmelzen am besten verkraftet.

Mythos 8: „Der Schraubdeckel beim Altglas kann dranbleiben“

Ja, stimmt. Aufdrucke an den Altglascontainern informieren, ob die Recyclinganlage Deckel nachträglich aussortieren kann. Im Landkreis Karlsruhe ist dies aktuell der Fall. Dennoch sauberer und einfacher ist es, Glas und Metall oder Kunststoff direkt zu trennen, so kann auch der Deckel hochwertig wiederverwertet werden.
 
Unser Tipp:  Deckel abdrehen und in die Wertstofftonne, Glas in den farblich passenden Container.

Mythos 9: „Bioabfall bringt doch nichts fürs Klima“

Stimmt nicht. Bioabfall ist ein Energieträger und schützt das Klima in zweierlei Hinsicht:

  1. In Vergärungsanlagen kann daraus Biogas für Strom und Wärme entstehen.
  2. Der verbleibende Rest – Experten nennen ihn „Gärrest“ – wird zu hochwertigem Kompost verarbeitet, der Kunstdünger ersetzt, und durch Humusaufbau CO₂ im Boden bindet. Das macht landwirtschaftliche Flächen weniger anfällig für längere Trockenperioden und versorgt den Boden mit wichtigen Nährstoffen.

Mythos 10: „Briefumschläge und Bäckertüten mit Fenster gehören immer in den Papiermüll“

Stimmt nicht. Briefumschläge mit Sichtfenster und saubere Bäckertüten mit Fenster dürfen ins Altpapier bzw. in die Wertstofftonne. Denn das kleine Kunststofffenster wird im Recyclingprozess automatisch aussortiert. Wichtig ist nur, dass der Umschlag leer und nicht stark verschmutzt ist.
Verschmutzte Bäckertüten mit oder ohne Fenster (und generell stark verschmutztes Papier) gehören dagegen in den Restabfall. Der Grund: Fett- und Lebensmittelreste stören das Papierrecycling und können im schlimmsten Fall ganze Papierchargen unbrauchbar machen.
 
Wir merken uns: Sauberes Papier (auch mit Sichtfenster) = Altpapier, verschmutztes Papier = Restabfall.

Mythos 11: „Styropor kommt immer in die Wertstofftonne.“

Leider nein. Bei Styropor kommt es darauf an, wofür es genutzt wurde. Sauberes Verpackungsstyropor (z. B. aus Kartons von Elektrogeräten) darf in die Wertstofftonne oder kann am Wertstoffhof abgegeben werden, weil es als Verpackung recycelt werden kann.
Styropor aus dem Baubereich (z. B. Dämmplatten) kann in Kleinmengen als Restabfall entsorgt werden. Beim Entsorgungszentrum Bruchsal und an den überregionalen Annahmestellen ist eine Abgabe bis zu 500 Litern gegen Gebühr möglich.
Verschmutztes Styropor (z. B. mit Erde, Farbe oder Kleber) ist wiederum nicht recyclingfähig und gehört in die Restabfalltonne.

Warum werden Papier, Pappe, Kunststoff und Metall im Landkreis Karlsruhe in nur einer Tonne – in die der sogenannten Wertstofftonne - gesammelt? Kann Recycling hier überhaupt funktionieren?

Sehr gute Frage! Im Landkreis Karlsruhe gibt es, wie im Rhein-Neckar-Kreis ein Sondersammelsystem. Anders als in den restlichen Kreisen gibt es eine Tonne für PPK (kurz: Papier, Pappe, Karton), Metall und Kunststoffe sowie Verpackungen. Das spart den Platz für eine weitere Tonne und reduziert Verkehr und CO₂ bei der Sammlung.
 
Der Inhalt der Wertstofftonne wird in einer modernen Sortieranlage sorgfältig getrennt. Das bedeutet, dass die verschiedenen Materialien – also Kunststoffe, Metalle und PPK – sortenrein getrennt und im Anschluss weiterverwendet werden können.
 

Trennen lohnt sich.

Am Ende sind es oft die kleinen Entscheidungen im Alltag, die den Unterschied machen: ein Becher nicht gestapelt, ein Deckel abgezogen, ein Karton richtig einsortiert. Nicht die Mythen entscheiden – sondern unsere richtige Trennung. Wenn Verpackung, Papier, Glas und Bioabfall im Landkreis Karlsruhe im passenden Behälter landen, werden aus Abfällen wertvolle Rohstoffe – und das spart Ressourcen, Energie und CO₂.
 
 
Für die kleinen und großen Unsicherheiten rund um das Thema Abfalltrennung hilft unser Abfall-ABC, das geht auch unterwegs ganz einfach mit der Abfall-App!

Quellen:
 
[1] „Indikator: Recycling von Siedlungsabfällen“ – Beitrag vom Umweltbundesamt, Link: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-recycling-von-siedlungsabfaellen#die-wichtigsten-fakten
 
[2] „Verwertungsquoten der wichtigsten Abfallarten“ – Beitrag vom Umweltbundesamt, Link:
https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertungsquoten-der-wichtigsten-abfallarten#nachhaltige-abfallvermeidung-und-verwertung
 
„Verpackungsabfälle“ – Beitrag vom Umweltbundesamt, Link:
https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/verpackungsabfaelle
 
„Müll richtig trennen: gelber Sack, Restmüll, Papier oder wohin sonst?“ – Beitrag der Verbraucherzentrale, Link:
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/abfall/muell-richtig-trennen-gelber-sack-restmuell-papier-oder-wohin-sonst-10580
 
„Kassenbons gehören nicht ins Altpapier“ – Beitrag vom Umweltbundesamt, Link:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/kassenbons-gehoeren-nicht-ins-altpapier
 
„Recyclingpapier ist gut für die Umwelt“ – Beitrag vom Umweltbundesamt, Link:
https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/haushalt-wohnen/papier-recyclingpapier#undefined
 
„Umweltfreundliche Thermopapiere (DE-UZ 223)“ – Beitrag von Blauer Engel, Link:
https://www.blauer-engel.de/de/produktwelt/thermopapiere
 
„Stiftung zentrale Stelle Verpackungsregister“ – Website, Link:
https://www.verpackungsregister.org/stiftung-und-behoerde/ueber-uns#c1889
 
„„Leere Joghurtbecher nicht ineinander stapeln!“ Netto und die Initiative „Mülltrennung wirkt“ klären auf“ – Beitrag von mülltrennung-wirkt.de, Link:
https://www.muelltrennung-wirkt.de/de/ueber-uns/presse/presseartikel/netto-und-die-initiative-muelltrennung-wirkt-klaeren-auf/
 
„Fünf hartnäckige Irrtümer und Vorurteile über Mülltrennung“ – Beitrag von mülltrennung-wirkt.de, Link:
https://www.muelltrennung-wirkt.de/de/muelltrennung/fragen-und-antworten/muelltrennung-irrtuemer/
 
„Mit diesen Recyclingtipps werden Sie zum Experten“ – Beitrag von Initiative der Glasrecycler, Link:
https://www.was-passt-ins-altglas.de/recyclingtipps
 
„Bioabfälle“ – Beitrag vom Umweltbundesamt, Link:
https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/bioabfaelle
 
„Bioabfall wird zu Grüner Energie.“ – Beitrag von #wirfuerbio, Link:
https://www.wirfuerbio.de/biomuellwissen/bioenergie/
 
„Bioabfall wird zu Kompost“ – Beitrag von #wirfuerbio, Link:
https://www.wirfuerbio.de/biomuellwissen/kompost/
 
„Ökobilanz zu den Leistungen der dualen Systeme im Bereich des Verpackungsrecyclings“ – Beitrag vom Öko-Institut e.V., Link:
https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Duale_Systeme_Oekobilanz_Endbericht.pdf
 
„Öko-Institut: Studie zur Mülltrennung“ – Beitrag von mülltrennung-wirkt.de, Link:
https://www.muelltrennung-wirkt.de/de/ueber-uns/studie-oeko-institut/

         

AUTOR: Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Karlsruhe
Fotos: Titelbild: schweizer media